Weiche Wohnwelten

Weiche WohnWelten



das ist der körper der umtreibt die kopflast
die sich orientiert an der sichtachse welche erreicht den anbau
der sich verbindet mit dem bauchnabel der kontrolliert das immunsystem
welches verwirrt die baustelle die sich versteckt in der achselhöhle
aus der aufsteigen die immobilienblasen die so tun als wären sie gedanken …


Schnipselgedicht01/16 Ulrike Bernard & Vincent Grunwald



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Einsinkend, in mit Immobilien bedruckten Sitzsäcken (Lazy Bags), können die Besucher*innen mit ihren Körpern einen Abdruck hinterlassen – jede*r kann sie plastisch mitgestalten. Das Material für diese Arbeit kommt von der Straße. Wo einst ein Baustellenbanner war, ist jetzt eine Leerstelle. Was einst eine Wertanlage war, wird in den Sitzsäcken zu einem flüchtigen und weichen Kapital. Gemeinsam auf den Sitzsäcken verweilend, können die Besucher*innen an Initiativen für eine gemeinwohlorientierte Stadtpolitik teilhaben, ein Picknick unter freiem Himmel verzehren oder in Lesungen und Konzerte eintauchen.

Die Lazy Bags werden für die wandelnden Kontexte vorwiegend mit organischem Material wie Stroh und Heu befüllt. Oft führt der Weg zuerst zu Bäuer*innen, dann in den Tierpark, um das Füllmaterial an andere Lebewesen weiter zu geben. Dieser lokale Materialkreislauf findet hinter den Kulissen statt, ist jedoch wesentlicher Bestandteil der Arbeit.



Fotos Hau: Ebba Fransén Waldhör und Dorothea Tuch, Fotos WW: Benno Obkircher


Die Weichen WohnWelten entstanden in Kollaboration mit Vincent Grunwald und tauchen seit 2016 in verschiedenen Kontexten auf: als flüchtende Immobilie innerhalb der performativen Wanderung WW / Südtirol, als weiche Installation – präsentiert mit den Schnipselgedichten als Fußbodensticker – in der Ausstellung „Soft Architecture“ im Finstral Studio / Friedberg, als Setting für die Buchpräsentation und -lesung von „Wuan Wandeln“ bei sign, CIAT / Berlin & bei Das Archipel / Hamburg, als Veranstaltungssetting für das Festival Berlin bleibt, Hau / Berlin und für Claiming Common Spaces III, ein Projekt des Bündnis der internationalen Produktionshäuser – Kampnagel / Hamburg.



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